Pardon My English
Musical comedy in 2 Akten
Musik von George Gershwin. Liedtexte von Ira Gershwin.
Buch von Herbert Fields & Morrie Ryskind.
Deutsch von Wolfgang Adenberg.
Premiere an der Staatsoperette Dresden:
27. und 28. November 2009, 19.30 Uhr
Musicalsatire
George Gershwins musical comedy „Pardon My English“ kam am 20. Januar 1933 am Broadway im
legendären Majestic Theatre heraus, wo es lediglich 43 Aufführungen erlebte. Geschlossen wurde die
Show am 25. Februar, zwei Tage vor der Nacht des Reichstagsbrandes in Berlin. Ein Umstand, der, bei
einem Musical, das in Deutschland spielt, nicht ganz ohne Bedeutung scheint.
„Pardon My English“ steht in einer Reihe mit drei anderen Gershwin-Musicals, die politische
Themen aufgreifen: der Kriegssatire „Strike Up The Band“ (1927), der Wahlkampfparodie
„Of Thee I Sing“ (1931) und der Farce auf Gleichschaltung und Revolution „Let 'Em Eat Cake“
(1933).
Die Textautoren von „Pardon My English“ gehörten mit zum Besten, was der Broadway
aufzubieten hatte. Neben George Gershwins kongenialem Bruder Ira, der die Songtexte dichtete,
schrieben Morrie Ryskind, der u. a. die Drehbücher für vier Filme der Marx Brothers, darunter „A
Night at the Opera“ (1935), verfasst hat, und Herbert Fields das Bühnenbuch. Fields zählt zu den
erfolgreichsten Musical-Buch-Autoren seiner Zeit; er schrieb unter anderem die Bücher für einen
Großteil der Musicals von Rodgers & Hart oder auch für Irvin Berlins „Annie Get Your Gun“
.
Das Buch zu „Pardon My English“ mit seiner überdrehten Handlung steht ganz in der Tradition
der film comedies und Broadwayerfolge jener Jahre. Im Gangstermilieu angesiedelt wird mit schnellen
Situationswechseln, flotten Dialogen in der Manier der screw ball comedies und Slapstickmitteln,
also einer bewusst körperbetonten Komik, eine absurde Geschichte erzählt, die aktuelle
Modethemen von Prohibition bis Persönlichkeitsspaltung aufgreift. Mit diesen Elementen wird eine
skurrile Satire auf die umstrittene Prohibition entworfen und damit auf die Innenpolitik einiger
Bundesstaaten der USA. Wie aktuell das war, zeigt die Tatsache, dass exakt einen Monat nach der
Premiere, am 20. Februar 1933, die Prohibition aufgehoben wurde. Durch den Wegfall dieses Anlasses
der Satire hatte das Musical seinen Angriffspunkt verloren. Ein untypisches Schicksal für ein
Zeitstück wie „Pardon My English“. Konsequenter Weise fiel nur 5 Tage nach Ende der
Prohibition der letzte Vorhang für das
Stück am Broadway.
Tatort: Dresden
„Pardon My English“ haben die Autoren in Deutschland, genauer gesagt in Dresden und dem
nahegelegenen Bad Schandau angesiedelt. Schon in „Strike Up The Band“ (1927/30) hatte Morrie
Ryskind mit der Wahl der Schweiz als Handlungsort einer Kriegssatire einen europäisch-‚exotischen’
Schauplatz gewählt. In „Pardon My English“, das eigentlich amerikanische Verhältnisse persifliert,
wird nun die Kulturstadt Dresden zum Schauplatz der Handlung. Diese Ortswahl wird für die Autoren
auch zum Anlass, vermeintlich deutsche Eigenarten wie Volksmusik, Leberwurst oder polizeilichen
Ordnungssinn zu parodieren. Dies ist eine gängige Methode, die unter anderem auch in den
zahlreichen Heidelberg-Stücken
und -Filmen der Zeit (z. B. Rombergs „The Student Prince“, 1931) ihren Ausdruck gefunden hat.
Auffällig bleibt, dass reale Bezüge zu Dresden oder zeitpolitische zur deutschen Politik nicht
vorkommen, so wird weder eine Topographie Dresdens entworfen, noch kommen die zehn Tage nach der
Uraufführung an die Macht kommenden Nationalsozialisten vor. Damit bleibt das Buch in der Tradition
zeitloser Satire mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Die Handlung enthält eine Vielzahl von Elementen, die man heute noch aus Hollywoodfilmen jener
Jahre kennt. Die Grundsituation des Plots ist folgende: In Dresden und Bad Schandau herrscht
Limonadenverbot. Um das süße Getränk trotzdem genießen zu können, trifft man sich heimlich in
verschiedenen Clubs. Einen davon betreibt der Gangster Golo Schmidt. Der leidet allerdings an einer
veritablen Persönlichkeitsspaltung: Immer, wenn er einen Schlag auf den Kopf bekommt – und das
passiert öfter - verwandelt er sich in bester ‚Jekyll-und-Hyde’-Manier in den
britischen Geheimagenten Michael Bramleigh. In dieser Gestalt verliebt er sich ausgerechnet in die
Tochter des Kommissars Bauer, der damit beauftragt ist, dem illegalen Limonadenausschank ein Ende
zu bereiten. Bevor es zum unvermeidlichen Happy End kommt, begegnen wir mehreren Psychiatern,
erleben eine Entführung nach Bad Schandau samt glücklicher Rettung und erfahren etwas über die
Unzulänglichkeiten der Dresdner – und damit eigentlich der amerikanischen – Polizei.
Bekanntes wiederentdeckt
Auch wenn berühmte Gershwin-Standards, die Bestandteil des Great American Songbook geworden
sind, wie „The Lorelei“, „Isn't It a Pity“ oder „My Cousin in Milwaukee“ im Gedächtnis
blieben, so geriet – wie so oft – die Show, aus der sie stammten, in Vergessenheit.
Das Werk wurde erst 1982 in einem Musiklager von Warner Brothers in Secaucus, New York
wiedergefunden. Das Stück wurde rekonstruiert und 1993 für die CD eingespielt. Allerdings in einer
rein musikalischen Fassung mit einigen Kürzungen, denen zum Beispiel unverständlicherweise auch die
Titelnummer „Pardon My English“ zum Opfer fiel. In der New Yorker Reihe City Center Encores!, die
sich alljährlich zu unrecht vergessenen Musicals in semiszenischen Produktionen annimmt, kam es im
Frühjahr 2004 zu einer beim Publikum und Presse überaus erfolgreichen Wiederaufführung.
Über 75 Jahre nach der Uraufführung am Broadway erlebt „Pardon my English“ nun an der
Staatsoperette endlich seine Europäische Erstaufführung. Die musikalische Leitung liegt in den
Händen des Chefdirigenten der Staatsoperette Dresden, Ernst Theis. Für die szenische Umsetzung, die
mit überraschenden Bühnenbildlösungen und witzig-ironischen Kostümen (beides von Christoph Weyers),
die den Handlungsort reflektieren, aufwarten, konnte der Sänger, Schauspieler und Regisseur Holger
Hauer gewonnen werden
André Meyer und Uwe Schneider
Pardon My English
Musical comedy in 2 Akten
Musik von George Gershwin. Liedtexte von Ira Gershwin.
Buch von Herbert Fields & Morrie Ryskind.
Deutsch von Wolfgang Adenberg.
Musikalische
Leitung
Ernst Theis
Regie
Holger Hauer
Ausstattung
Christoph Weyers
Choreographie
Andrea Kingston
Choreinstudierung
Thomas Runge
Dramaturgie
André Meyer
Golo Schmidt/Michael
Bramleigh Christian
Grygas / Marcus Günzel
Gitta
Elke Kottmair / Ann Mandrella
Kommissar
Bauer
Alfred Berg / Gerd Wiemer
Frieda, seine
Tochter
Romana Beutel / Jeannette Oswald
Dickie
Carter
Frank Ernst / Bernd Könnes
Magda
Inka Lange / Annegret Reißmann
Chor, Ballett und Orchester der Staatsoperette Dresden
Premiere: 27.11.09 | 28.11.09
Weitere Vorstellungen in der Spielzeit 2009/10:
29.11.09, 15:00 Uhr | 09.12.09 | 10.12.09|
14.01.10 | 15.01.10 | 27.03.10 | 28.03.10, 15:00 Uhr | 18.05.10 | 19.05.10
Beginn 19:30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.
Karten unter (0351) 207 99 99
www.staatsoperette-dresden.de