Am 20. März 2008 vergab der TVD zum ersten Mal den "Dresdner Tourismuspreis". Dieser wertvolle
Preis wird nunmehr jährlich an den von einer Jury bestimmten Preisträger verliehen. Hier stellen
wir den Lesern der TVD Webseite den Künstler Olaf Stoy und die Entstehung des Preises vor.
Zur Person:
Seit über 30 Jahren lebe und arbeite ich mit Porzellan. Mein Handwerk erlernte
ich in der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden. 25 Jahre war ich hier als Formengießer,
Retuscheur und Chefmodelleur tätig. 2005 gründete ich mein »Atelier für Kunst und Gestaltung« und
arbeite seither als freiberuflicher Künstler.
Als Plastiker interessieren mich vor allem die Figur und das Relief. Dabei spiele ich mit
Ausdrucksformen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Ich liebe das Schalkhafte und
Hintergründige. Motive finde ich in Mythologien, der Bibel oder in den Märchen der Gebrüder
Grimm.
Ich möchte mein Publikum sensibilisieren, den Blick über seinen Horizont zu heben, denn
dahinter gibt es unendlich viel zu entdecken.
Konzept und Umsetzung des Dresdner Tourismuspreises:
Im Juli 2007 traf ich mich zu ersten Vorgesprächen mit Mitgliedern des Dresdner
Tourismusvereins und der Geschäftsführung der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden. Thema war
die Entwicklung eines Dresdner Tourismuspokals.
Der Prozess einer, den Vorstellungen aller Beteiligten entsprechenden Ideenfindung erwies sich
schwieriger, als gedacht. Ein erster Entwurf wurde umgesetzt und wieder verworfen. Was blieb waren
zwei wichtige Grundgedanken:
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Die Umsetzung in Porzellan sollte sich auf ein wieder erkennbares Dresdner Wahrzeichen
beziehen.
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Es sollte eine zeitgenössische Interpretation sein.
Da der Zwinger weltweit bekannt ist, einigten wir uns auf das Thema Kronentor. Allerdings
gibt es bereits unzählige Darstellungen dieses, den Dresdner Barock symbolisierenden
Bauwerks.
Wichtig für mich und meine Arbeit war ein persönlicher Zugang, den ich schließlich im
Studium der Werke von Oskar Kokoschka und Ernst Hassebrauk fand. Ihre expressive Interpretation
Dresdner Stadtlandschaften gab mir den Anstoß Ähnliches in Porzellan zu versuchen. Schon im ersten
Entwurf in Plastilin verzichtete ich auf das barocke Dekor und konzentrierte mich auf die
architektonische Grundstruktur, wobei ich Perspektiven überzog, bog oder stauchte. So versetzte ich
das Tor in Schwingung. Was für Bewegung und Offenheit steht. Den Sockel gestaltete ich schlicht und
kastenförmig. Somit bot er den gebogenen Linien Halt und Basis. Während der Herstellung in
Porzellan schnitt ich die Toröffnungen aus. Dies brachte mein Anliegen noch treffender zur
Geltung.
Porzellan ist ein schwieriges Material, dass während der einzelnen Arbeitsschritte immer
wieder Überraschungen bereit hält. So können im Trocknungsprozess Verziehungen und Risse entstehen.
Im Brand erfolgt eine Schwindung von 16 Prozent und das Stück verkleinert sich entsprechend.
Senkrechten können sich verziehen und Flächen sich wölben. Als schließlich die ersten Proben aus
dem Glattbrand kamen, fiel mir ein Stein vom Herzen. Das Kronentor hatte das Feuer schadlos
überstanden und wirkte nun weiß und glasiert so überzeugend, wie ich es mir gewünscht
hatte.
Besonders berührte mich das einhellig, positive Echo bei der Übergabe des Tourismuspreises an
Prof. Asisi am 20. März 2008. Für mich als Künstler die schönste Bestätigung meiner Arbeit.
Zu den Fotografien:
Bild 1: Erste plastische Skizze in Plastilin (Dezember 2007)
Bild 2: Tonmodell von vorn, Arbeitsphase (Januar 2008)
Bild 3: Tonmodell von der Seite, Arbeitsphase (Januar 2008)
Bild 4: Tonmodell von vorn, Modellierung abgeschlossen (Januar 2008)
Bild 5: Tonmodell von der Seite, Modellierung abgeschlossen (Januar 2008)
Bild 6: Rohling in Porzellan, von vorn (Februar 2008)
Bild 7: Rohling in Porzellan, von der Seite (Februar 2008)
Bild 8: Porzellan gebrannt, von vorn (Ende Februar 2008)
Bild 9: Porzellan gebrannt, von der Seite (Ende Februar 2008)
Information:
Olaf Stoy
- Atelier für Kunst und Gestaltung
Freitaler Str. 45, 01734 Rabenau, Tel und Fax: 03 51 - 644 32 72